Interviews

 

Das folgende Interview veröffentlichte das Online-Magazin Bloggerszene.de mit Christian Stachowitz:christian-stachowitz


Wenn du das Thema Corporate Blog mit einem Adjektiv beschreiben müsstest, welches wäre das?

Komplexe Systeme mit einem Wort zu beschreiben wird ihnen in meinen Augen nicht gerecht.
Ein Beispiel: sage ich „bunt“, böte das dem Leser je nach Primär-Interpretation seines Gehirns Spielraum, wie ich das meine. Bunt im Sinne von farbig, vielseitig, unstrukturiert, kreativ, individuell oder oder oder.
Für uns haben Worte weiterführende Bedeutungen. Anderen wird erst dann klarer, was wir meinen, wenn wir einer Beschreibung mehrere Adjektive hinzufügen.
Übrigens führt das „ein-Adjektiv-Spiel“, das wir auch nebenbei im Sprachgebrauch mit unseren Partnern, Freunden und Kollegen spielen, gerne zu Missverständnissen.
Eben gerade, weil jeder von uns unter einem gewählten Wort etwas ähnliches und doch letztendlich anderes versteht!

Wie wichtig ist Sprache für einen Corporate Blogs?

Sie ist essentiell.
Sprache transportiert Botschaften. Und Botschaften sollten auf den Punkt treffen.

Inwiefern wird Unternehmenssprache beim Bloggen integriert?

Ich halte es für wichtig, dass die Corporate Identity (CI) durch die Sprache zum Ausdruck gebracht wird. Wer es dabei schafft, die CI zwischen den Zeilen direkt ans Unterbewusstsein des Lesers zu adressieren, ist der wahre Sprachkünstler. Er bindet Leser, weil er sein Handwerk versteht.

Nenne drei Gründe warum gut geschriebene Teaser zu einem erhöhten Leserkreis beitragen?

1. Aus dem gleichen Grund, aus dem starke Magneten mehr Eisen anziehen, als Schwache,
2. Bienen zu Blüten fliegen,
3. und jemand etwas trinkt, wenn er durstig ist.

Welchen Machteinfluss hat Sprache beim Bloggen?

Sie ist der Schlüssel zum Bewusstsein und Unterbewusstsein des Lesers.
Wie mächtig ist das?

Friedrich Nietzsche hat in seinem ersten Werk Menschliches, Allzumenschliches geschrieben: „Jedes Wort hat seinen Geruch: es gibt eine Harmonie und Disharmonie der Gerüche und also der Worte.“ Welche Harmonien und Disharmonien treten in der Blogsprache auf?

Das habe ich schon in der ersten Antwort dieses Interviews zur Sprache gebracht.
Wichtig ist, die Zielgruppe im Fokus zu behalten. Dasselbe Wort kann die einen binden, die anderen abstoßen! Wer Sprache verwendet, die für die Zielgruppe anziehend wirkt, bloggt auf der Überholspur.

Welches Wort ist deiner Meinung nach, das am häufigsten Gebloggte?

Beim am häufigsten fehleingesetzten Blog-Wort tippe ich ganz klar auf: „aber“.

Lol, Yolo, a.s.a.p. – Wohin wird uns die Verwendung von Abkürzungen in der Blogsprache führen?

Tja, wohin führt uns der verbale Fastfood-Konsum?
Ich bin ein Optimist. Es werden bestimmt mehr und mehr Menschen anfangen, sich intensiver und reflektierter mit ihrer sprachlichen Ernährung zu befassen. Und dann etwas daran verändern.

Danke für das Interview.

Es hat mir Spaß gemacht. Und ich danke auch!